Text zur Kunst

Pilgerwelten

Beide sind sie uns vertraut. Die alten, vergilbten Postkarten von Orten, die in einer anderen Zeit einmal Ziel kollektiver Sehnsucht waren. Ebenso die persönlichen Skizzen, Aquarelle, Collagen aus Reisetagebüchern oder auf losen Blättern mit dem Versuch, einen intimen Moment zwischen Ankunft und Abschied zu bannen. Manchmal ist der Ort auf dem Foto auch ein Ort des eigenen Erlebens, und wir nehmen Kontakt auf, sehen genauer hin, suchen die eigenen Bilder. Oder die Stimmung der Skizze scheint uns vertraut, führt uns zurück zu einmal Gefühltem. Ohne diesen direkten Bezug bleibt Distanz.

Diese Distanz versteht Iris Stephan in ihren ‚Pilgerwelten' aufzuheben. Die Integration von Foto und kreativer Verfremdung, von Gesehenem und Gefühltem in einem einzigen Bild, zieht den Betrachter mit hinein in den Prozess der Auseinandersetzung. Durch das klar gegliederte Nebeneinander von Ablichtung des Realen und künstlerischer Reaktion entsteht eine neue zeitliche und räumliche Dynamik, die die Teile für sich genommen nicht haben.

Wie bereits in vielen ihrer früheren Werke zeigt Iris Stephan hier ihr besonderes Gespür für Komposition und Farbgebung. Ob harmonisch aufnehmend oder mit klarem Kontrapunkt – spielerisch und sicher gelingt ihr die Erzeugung von Spannung, die den Betrachter in ihre Arbeit einbindet. So fällt es leicht, sich mitnehmen zu lassen in die ‚Pilgerwelten'. Diese Art von Kunst erzeugt Lust – Lust, auf den Dachboden zu pilgern und die eigenen alten Postkarten neu zu erleben und zu entdecken. Lust, die wiederum Kunst erzeugt?

Dr. Martin Waltz, Freiburg, im Oktober 2005

MPW08

Papiercollage 10 x 15 cm

 
MPW07

Papiercollage 10 x 15 cm

 
MPW06

Papiercollage 10 x 15 cm

 
MPW05

Papiercollage 10 x 15 cm

 
MPW04

Papiercollage 10 x 15 cm

 
MPW03

Papiercollage 10 x 15 cm

 
MPW02

Papiercollage 10 x 15 cm

 
MPW01

Papiercollage 10 x 15 cm

 
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